Gründerzeit, Bode und sein Museumsverein

1897 gilt als Gründungsjahr des Kaiser Friedrich Museumsvereins, der auf Überlegungen des „Bismarck der Berliner Museen“, Wilhelm von Bode, zurückgeht. Der große Museumsdirektor, nach dem das Kaiser Friedrich-Museum später benannt wurde, wollte in Zeiten eines stark umkämpften europäischen Altmeister-Kunstmarktes ein schnell handlungsfähiges Gremium an seiner Seite haben, um europaweit Gemälde und Skulpturen für das 1904 eröffnete Kaiser Friedrich-Museum zu erwerben.
Sammler und Kunsthändler waren Bode, der ob seines hoch ausgeprägten Kennertums überaus bekannt und gefragt war, zu Dank verpflichtet und fanden sich gerne bereit, diesem Berliner Museumsverein beizutreten. Zu den Gründungsmitgliedern zählte James Simon, der bedeutendste Mäzen der Berliner Kaiserzeit.
Die außerordentlich hohen Mitgliedsbeiträge ermöglichten zahlreiche bedeutende Erwerbungen. Damals wie heute bleiben vom KFMV erworbene Kunstwerke Eigentum des KFMV, sie sind den heute zwei geförderten Museen als Dauerleihgaben überlassen.

Wilhelm von Bode

Wilhelm von Bode, 1845-1929 (Foto: Zentralarchiv SMB)

Die Inventarbücher des KFMV

Inventar KFMV Cover

Außenseite

Inventar KFMV 2

Erste Innenseite

Inventar KFMV I 1897-2017 (PDF, 46 MB)
Nachweiszeitraum der Zugänge 1897-2017 (Lfd.-Nr. 1897/4 – 2017/309)

Inventar KFMV II 2019 (PDF, 4 MB)
Nachweiszeitraum der Zugänge 2019-2019 (Lfd.-Nr. 2019/310)

Die Erwerbungen des Kaiser Friedrich Museumsvereins, der schon vor seiner offiziellen Gründung im Juni 1897 im Ankauf aktiv war, mit Gemälden, Skulpturen und auch einigem Kunstgewerbe, werden seit 1897 handschriftlich in einem eigenen Inventarbuch vermerkt. Dieses trägt auf der ersten Innenseite den Vermerk „Inventarien solcher Kunstwerke, welche der Kaiser Friedrich-Museums-Verein als Eigenthum erworben hat und den Königlichen Museen als Leihgut überweist.“

Der erste Eintrag beinhaltet das „Bildnis eines alten Mannes“ von Hans Memling, der letzte die Erwerbung und die Teilerwerbung der Tafeln zur Vervollständigung des kleinformatigen Passionsaltares des Dürer-Mitarbeiters Hans Schäufelin. Mit diesem Eintrag endet der erste Band im Jahr 2017. Im ersten Band ist zudem ein Sonderfall der Erwerbungstätigkeit eingelegt worden: Das zu didaktischen Zwecken 2011 erworbene Konglomerat von insgesamt 229 Teilen historischen Bildhauerwerkzeugs u.ä. aus der Sammlung Buczynski, das heute im Bode-Museum in Raum 232 ausgestellt ist.

Nach dem Vorbild des ersten Bandes wurde 2017 der zweite Band von einem Buchbinder angefertigt, im gleichen, fast quadratischen Format, in schwarzem Ledereinband mit Prägung. Der erste – und bisher einzige – Eintrag ist die KFMV-Rückerwerbung des Gemäldes „Sarah führt Abraham Hagar zu“ von Matteus Stom vom Juli 2019. Viele leere Seiten warten gespannt auf die Einträge der Zukunft…

Die Gründungsmitglieder des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins:

Seine Majestät Kaiser und König Wilhelm II
Kommerzienrath Eduard Arnhold
Portraitmaler Joseph Block
Geh. Regierungsrath Dr. W. Bode
Geh. Legationsrath Dr. W. v. Dirksen
Graf Dönhoff-Friedrichstein
Bergwerksbesitzer Fritz Friedländer
Se. Durchl. Fürst Carl Egon zu Fürstenberg
Dr. F. Güterbock
Rentier Gustav Güterbock
Fabrikbesitzer Oscar Hahn
Julie Hainauer
Rittergutsbesitzer Dr. Fritz Harck
Rittergutsbesitzer Richard v. Hardt
Martin Heckscher
Graf Guido Henckel v. Donnersmarck
Rechtsanwalt Dr. Paul Herrmann
Baron August von der Heydt
Banquier Karl von der Heydt
Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim
Fabrikbesitzer Oscar Huldschinsky
Rechtsanwalt Max Kempner
Geh. Kommerzienrath F. A. Krupp

Landrichter Dr. v. Liebermann
Portraitmaler Max Liebermann
Geh. Kommerzienrath Ernst v. Mendelssohn-Bartholdy
Banquier Robert v. Mendelssohn
Banquier Franz v. Mendelssohn
Banquier Ernst Meyer
Banquier Georg Meyer
Verlagsbuchhändler Rudolf Mosse
Professor Ludwig Passini
Grosskaufmann Gustav Salomon
Dr. phil. Fritz Sarre
Rittergutsbesitzer Arthur Schnitzler
Banquier Dr. Paul Schwabach
Geh. Kommerzienrath Siegle
Grosskaufmann James Simon
Rentier Adolph Thiem
Geh. Kommerzienrath Alfred Thieme
Geh. Kommerzienrath E. Veit
Konsul H. Wallich
Banquier Robert Warschauer
Rentier Valentin Weisbach
Fabrikbesitzer August Zeiss

Bode Museum bei Nacht

Das Bode-Museum, vormals Kaiser Friedrich Museum (Foto: Zentralarchiv SMB)